Maschinenfabrik Berthold Hermle AGMaschinenfabrik Berthold Hermle AG

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Anwenderberichte

21.11.2013

Zur Herstellung komplexer Modelle, Formen und Werkzeuge sowie zur Textur hochwertiger Luxusprodukte aus Kristallglas setzt der französische Kristallglaskunst-Hersteller Lalique auf 5-Achsen-Bearbeitungstechnologie aus Deutschland.

Rene Lalique wurde im Jahr 1860 in Ay in der Champagne geboren und war einer der bekanntesten Schmuck- und Glaskünstler des Art Deco, und vor allem der französischen Ausprägung des Jugendstils, des Art Nouveau. Bis zu seinem Tod im Jahr 1945 entwickelte sich R. Lalique vom Zeichner und Gestalter von Schmuckentwürfen über die Fertigung von Schmuckstücken bis hin zum Unternehmer, in dessen Werkstätten und Fabriken - entgegen der üblichen Auffassung, dass luxuriöser Schmuck aus Gold, Perlen und Edelsteinen zu bestehen hat - auch einfachere Materialien wie Email, Elfenbein, Horn, Halbedelsteine, gewöhnliche Steine sowie vor allen Dingen Glas nach den eigenen Entwürfen künstlerisch verarbeitet wurden. Anlässlich einer Verkaufsausstellung in Paris präsentierte Lalique im Jahr 1911 erstmals ausschließlich Arbeiten aus Glas und hatte damit einen derart großen Erfolg, dass er sich fortan auf die Glaskunst konzentrierte. In den folgenden Kriegsjahren wurden in den Werkstätten in Combs-la-Ville auch Gebrauchsgegenstände aus Glas für die Medizin und für die pharmazeutische Industrie hergestellt. Nach dem 1. Weltkrieg startete er dann erneut mit der kunsthandwerklichen Glasproduktion und eröffnete 1921 in Wingen-sur-Moder im Elsass eine größere Fabrik. Diese stellt heute das Glaskunst-Fabrikationszentrum des Unternehmens Lalique dar, das aktuell weltweit etwa 500 Mitarbeiter/Innen beschäftigt, davon 230 im Werk in Wingen-sur-Moder. Lalique steht mehr denn je für Luxusprodukte aus Bleikristallglas, womit sowohl in Design und Qualität herausragende Parfum-Flakons, Schmuck, Trinkgläser, Karaffen, Schalen und dergleichen Gegenstände mehr, jedoch verstärkt auch Luxusprodukte für die Objekt- und Schiffsausstattung wie Skulpturen, Tische, Leuchten, Türgriffe und Wandverkleidungen gemeint sind.

Bleikristallglaskunst verbindet Tradition und Moderne

Dass sich Tradition und moderne Technik in diesem künstlerisch mehr als nur angehauchten Business bestens ergänzen, ist daran zu ersehen, dass am Anfang, eines wie auch immer gearteten Luxusprodukts aus Bleikristallglas, die Form steht und am Ende ein fertiges Produkt. Oder anders herum: Bevor das individuell komponierte Kristallpulver durch Erhitzen auf 1380° Celsius geschmolzen und in Form gegossen wird, braucht es in klassischer Manier Modelle, Formen und Werkzeuge. Den extrem hohen Ansprüchen der Kunden sowie den eigenen Ansprüchen, hinsichtlich künstlerischer Gestaltung, extravagantem Design und höchster Qualität, entsprechend, finden Entwicklung, Konstruktion und Fertigen der Modelle, Formen und Werkzeuge natürlich im eigenen Haus statt. Im Formen- und Werkzeugbau im Werk Wingen-sur-Moder sind 12 ausgewiesene und „kristallglaskunstsensible" Fachkräfte tätig und können dafür auf einen modernen Maschinenpark zurückgreifen. Dazu sagte Christian Vollmer, Leiter des Formen- und Werkzeugbaus bei Lalique: „Unsere Aufgabe ist es, die Design-Vorgaben als 3D-Modelle plastisch und realitätsnah darzustellen, zunächst in Form von Prototypen aus Modellbau-Werkstoffen. Danach folgen die Werkzeug-Konstruktion und die NC-Programmierung. Die Werkzeuge sind wegen der oftmals sehr komplexen Formen des Endprodukts als zwei- bis sechsteilige Klapp- oder Schieberwerkzeuge in Segment-Bauweise konzipiert. Deshalb müssen die einzelnen Segmente nicht nur hochpräzise bearbeitet sein, die gewünschte Formgebung gewährleistend, sondern auch die Übergänge an Segmentflächen betreffend, damit sich die Nacharbeit durch Schleifen und Polieren auf das Finish beschränkt. Wir stellen pro Jahr etwa 60 neue Formwerkzeuge mit höchst unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad her. Da der Trend zu immer größeren Kristallglas-Produkten als exklusive Einzelteile geht, sahen wir uns vor einiger Zeit gezwungen, ein Bearbeitungszentrum anzuschaffen, das die rationelle Komplettbearbeitung größerer Werkzeugsegmente erlaubt. Weil sich die konventionelle Werkzeug-Herstellung in mehreren Bearbeitungsschritten sowie in 3-Achsen-Technologie außerdem als nicht mehr zeitgemäß und schließlich auch zu wenig wirtschaftlich zeigte, entschieden wir uns zum Einstieg in die 5-Achsen-Technologie."

Während der längeren Evaluations- und Erprobungsphase machten Christian Vollmer und seine Kollegen zwiespältige Erfahrungen und waren am Ende nur von einem Produkt wirklich überzeugt, nämlich vom 5-Achsen-CNC-Hochleistungs-Bearbeitungszentrum C 30 U von Maschinenfabrik Berthold Hermle AG, D-78559 Gosheim. Die Maschine hat bei kompakten Abmessungen mit X = 650 x Y = 600 x Z = 500 mm einen vergleichsweise großen Verfahr- und Arbeitsbereich, was den Anforderungen des Werkzeug- und Formenbaus von Lalique, in Bezug auf die Komplettbearbeitung größerer Werkzeugteile, entgegenkommt. Ausgerüstet mit dem großen NC-Schwenkrundtisch mit 630 mm Durchmesser ergeben sich für die 5-Achsen-Komplettbearbeitung ungeahnte Freiräume, die hier kreativ genutzt werden. So findet auf dem BAZ C 30 U heute nicht nur die Fertigung von Prototypen und Modellen aus Modellbauwerkstoffen sowie von Werkzeugen bzw. Werkzeugsegmenten aus Spezialguss und Werkzeugstahl statt, sondern an gegossenen Kristallglas-Produkten werden z. B. auch filigrane Dekor- und Texturbearbeitungen durchgeführt. Damit all diese Bearbeitungen in einem Durchgang bzw. in einer bis wenigen Aufspannungen komplett vorzunehmen sind, verfügt die Maschine über ein Werkzeugmagazin mit absolut ausreichenden 32 Plätzen. Die Werkzeuge sind in einer Aufnahme HSK-A63 gespannt und rotieren wahlweise sowie nach der Kombination zu bearbeitendes Material/passgenaues Werkzeug/optimale Parameter mit bis zu 18.000 min-1.

Leistungsgerechte Standardausführung des BAZ C 30 U

Abschließend äußerte sich Christian Vollmer zum Hermle-BAZ C 30 U und dem damit verbundenen Leistungssprung in der Prototypen-Modell-Werkzeug-Formen-Fertigung und der Kristallglas-Bearbeitung. „Wir haben einige Tausend Produktformen-Werkzeuge am Lager, die zumeist nur wenige Male zum Einsatz kommen, weil es sich um Unikate oder um hoch exklusive Kleinstserien handelt. Um die sehr anspruchsvollen Wünsche der Kunde aus aller Welt künstlerisch sowie qualitativ und terminlich befriedigen zu können, ist es für uns von entscheidendem Vorteil, durch Schruppen und Schlichten in aufeinander folgenden Prozessen direktes Formfräsen durchführen zu können. Das spart Handling-Aufwand und viel Zeit und damit Kosten. Wir nutzen das Bearbeitungszentrum C 30 U von Hermle für alle relevanten anfallenden Arbeiten, weil die Ausführung und Qualität der Maschine buchstäblich jedem unserer Einsatzfälle gewachsen sind."

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