Maschinenfabrik Berthold Hermle AGMaschinenfabrik Berthold Hermle AG

Von Mensch zu Mensch!
Anwenderberichte

Mit Mechatronik gegen „Stimmungsschwankungen“

10.12.2012

5-Achsen-Bearbeitungstechnologie sorgt in der globalen Musikbranche durch hochflexible Prototypenfertigung für schnellstes Time-to-Market.

Gitarren-Tuning vom anderen Stern - auf diesen kurzen Nenner gebracht lässt sich in Worte fassen, was selbst gestandene Gitarristen unter den prinzipiell doch eher unkonventionellen Musik-Freaks in Erstaunen versetzen dürfte: die Limited Edition „Robot-Guitar" des in aller Welt bekannten US-amerikanischen Herstellers Gibson basiert auf einem mechatronischen Tuning-Paket aus Hamburg! Dass sich Hamburg in vielen Jahren als kreativer Marktplatz für die Musikbranche, und hier vor allem für die Neuvorstellung von Popgruppen, gut etablieren konnte, dürfte allgemein bekannt sein. Dass in der Hafenstadt Hamburg aber auch die „Robotisierung" des Stimmungsvorgangs von Gitarren nicht nur ihren Ursprung, sondern gar ihren Produktions-Standort hat, dürfte hingegen weniger bekannt sein. Doch der Reihe nach: irgendwann im Laufe seiner über 20-jährigen Laufbahn als Gitarrist hatte Chris Adams schlicht und ergreifend die Nase voll, seine Gitarren immer wieder neu stimmen zu müssen. Denn Gitarren führen ja ein gewisses Eigenleben und wollen nicht nur gehegt und gepflegt, sondern quasi vor jedem Spiel erneut gestimmt werden, wobei jeder Gitarrist sein eigenes „Abstimmungs-Profil" hat. Wer nun glaubt, dass da ein Musiker in die Bastelkiste gegriffen und sich ein Hilfsgerät gebaut hat, der liegt, je nach Sichtweise, nicht ganz falsch, oder völlig daneben. Chris Adams erkannte nämlich bald das Potenzial hinter seiner revolutionären Idee und war sich außerdem bewusst darüber, dass ein solches „Stimmgerät" weder die Akustik, noch das Design, auch nicht das Gewicht sowie auf keinen Fall das Handling beeinträchtigen darf. Andererseits galt es solche Komponenten wie mechanische Teile, Antriebe und Mini-Elektronikbaugruppen zu entwickeln, zu fertigen, zu montieren und zu implantieren, was sich am Ende als höchst anspruchsvolle Aufgabe herausstellte.

Völlig unbefangen ran an die Aufgabe!

Dazu sagte Chris Adams: „Wir mussten die Hard- wie die Software komplett entwickeln und dabei die Lösung aus dem Ideenstadium per Engineering, Konstruktion und Fertigung in die Realität überführen. Wir sind zwar schon seit dem Jahr 2005 als Unternehmen Tronical GmbH im Bereich Musikinstrumente-Tuning unterwegs, doch dieses Projekt bedeutete ganz andere Herausforderungen für uns. Um das Know how bündeln zu können und ein schnelles Time-to-Market zu gewährleisten, entschlossen wir uns, die Mechatronik-Lösungen für das Guitar-Tuning konsequent selbst umzusetzen. Wir wollten nicht auf Dienstleister bauen, die uns als Freaks abtun und nur bedingt verstehen, auf was es ankommt. Außerdem wollten wir hochflexibel sein und nicht auf deren Lieferungen warten müssen, was vor allen Dingen bei Änderungen doch sehr hinderlich ist." Folgerichtig schaffte die Tronical GmbH das gesamte erforderliche Equipment an, beginnend bei einem CAD-/CAM-System und vorerst endend bei einem CNC-5-Achsen-Hochleistungs-Bearbeitungszentrum C 30 U von Maschinenfabrik Berthold Hermle AG, D-78559 Gosheim. Ausgerechnet ein Highend-5-Achsen-BAZ für die Prototypenfertigung bei einer Firma für Musikinstrumente-Tuning? Das bedarf doch wohl einer näheren Betrachtung! Zunächst galt es, die Leistungsfähigkeit und die Arbeitsbereiche eines möglichen Bearbeitungszentrums abzustecken und deshalb machte sich die Mechanik-Crew von Tronical an der Hamburger Fachmesse Nortec auf die Suche nach einer passenden Maschine. Völlig unbefangen und offen sprich: ohne Respekt vor der komplexen Technik (O-Ton Chris Adams: Sooo komplex ist das doch gar nicht...) wurden Informationen verarbeitet und am Schluss fiel die Entscheidung zum Kauf des besagten CNC-5-Achsen- Hochleistungs-Bearbeitungszentrums C 30 U von Hermle.

„Sooo komplex ist das doch gar nicht…“

Die Produktionstechniker der mittlerweile 40 Beschäftigte (davon 20 Ingenieure) zählenden Firma Tronical GmbH machten denn auch gleich Nägel mit Köpfen und orderten das C 30 U mit folgender Ausstattung: NC-Schwenkrundtisch mit 630 mm Durchmesser, Motorspindel mit 18.000 min-1, Werkzeugaufnahme HSK 63A, Messtaster Renishaw, Werkzeugbruch- Vermessungs- und Überwachungssystem Blum, elektr. Wärmekompensation, Steuerung Heidenhain iTNC 530. Mit dem großzügigen Arbeitsbereich von X = 650 mm, Y = 600 mm und Z = 500 mm sowie dem NC-Schwenkrundtisch mit 630 mm Durchmesser erhielt man die Sicherheit, alle vorkommenden Bauteilegrößen abdecken zu können und so in jedem Fall ein hohes Maß an Anwendungs- und Nutzungs-Flexibilität gewährleisten zu können. Chris Adams führte dazu aus: „Das Bearbeitungszentrum C 30 U von Hermle entspricht unseren klaren Forderungen bezüglich technischer Möglichkeiten, Leistungsfähigkeit, Präzision, Flexibilität, Schnelligkeit und Qualität und stellt für uns einen wesentlichen Baustein für schnelles, autarkes Handeln dar. Schnelles Time-to-Market ist in unserem Geschäft ein echtes Kriterium und mit der sehr universell einsetzbaren Maschine sorgen wir dafür, dass die Vorgaben und Wünsche der Entwickler an Prototypen, Anpassungen und Änderungen ohne jegliche Verzögerung gefertigt bzw. umgesetzt werden. Mit der Investition in das Bearbeitungszentrums haben wir die beste Entscheidung getroffen und ohne die Hermle wären wir wohl auch nicht soweit. Die Kosten für die Beschaffung sind durch solche Aspekte wie Schnelligkeit, Prioritätseinstufung und sofortiges Ausprobieren von Ideen mehr als nur gerechtfertigt. Zumal bei uns alle Produkte bis hin zur Serien- und Prozessreife weitgehend unabhängig von Mechatronik-Dienstleistern realisiert werden und dann die Serienfertigung an Spezialisten geht wird". Der Erfolg gibt Chris Adams und seinem Team in jeder Hinsicht Recht. Denn das automatisierte Stimm- bzw. Tuningsystem für Gitarren wurde auf den wichtigsten Musikmessen der Welt mehrfach mit namhaften Preisen ausgezeichnet. Der Siegeszug dürfte sich auch künftig fortsetzen, weil als nächstes Tuning-Nachrüstsysteme in Form von Bausätzen geplant sind, die dann Hersteller- unabhängig zum Einbau kommen.

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