Die Maschine läuft, auch wenn längst niemand mehr da ist. Für den Lohnfertiger HEIM war die Automatisierung kein Selbstzweck, sondern strategische Weiterentwicklung. Das vor 250 Jahren gegründete Familienunternehmen fertigt heute mit dem 5-Achs-Bearbeitungszentrum C 32 dank adaptiertem Robotersystem RS 1 rund um die Uhr.
Am Standort Eggolsheim im Landkreis Forchheim herrscht eine konzentrierte Ruhe. Wo früher hektisches Umrüsten und manuelles Nachlegen den Takt angaben, dominiert heute ein präziser, automatisierter Rhythmus: greifen, positionieren, zerspanen, ablegen. Inmitten dieser modernen Produktionsumgebung fertigt das 5-Achs-Bearbeitungssystem C 32 mit adaptiertem Robotersystem RS 1 von HERMLE. Was oberflächlich wie eine klassische Automationsgeschichte wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als das technologische Fundament einer konsequenten Wachstumsstrategie.
Die Geschichte der Firma HEIM beginnt im Jahr 1776 in Bamberg und ist geprägt von Beständigkeit sowie Anpassungsfähigkeit. Über sieben Generationen und 250 Jahre hinweg entwickelte sich das familiengeführte Unternehmen mit handwerklicher Kontinuität und der Leidenschaft für Metall zu einem leistungsstarken Lohnfertiger für Zerspanung, Schweißtechnik, Blechbearbeitung und Laserschneiden. Heute firmiert es mit Zweigwerken in den oberfränkischen Gemeinden Hallstadt sowie Eggolsheim offiziell als Stahlbau-Metalltechnik Johann Heim GmbH und beschäftigt rund 130 Mitarbeitende.
Der Umzug nach Hallstadt vor rund einem halben Jahrhundert markierte den Startpunkt für ein kontinuierliches Wachstum. Doch für Manfred Ostarek, Fertigungsleiter im Werk Eggolsheim, ist nicht die reine Fläche entscheidend, sondern die dahinterliegende Philosophie: „Das Wichtigste überhaupt ist die Vielfalt, die wir hier haben, um nicht nur von einer Branche abhängig zu sein.“ Seit Übernahme des Standorts in Eggolsheim vor einigen Jahren gehören auch Großserien mit mehreren tausend Stück ins Portfolio des Lohnfertigers.
Die Herausforderung: Preisdruck und komplexe Geometrien
Mit der Diversifizierung sichert sich HEIM gegen wirtschaftliche Volatilität ab. Während die Energietechnik – von der Gewinnung bis zur Weiterleitung – eine tragende Säule in Hallstadt bildet, liegt der Fokus in Eggolsheim primär auf der Hydrauliktechnik. Im Jahr 2022 erreichte diese Strategie der Vielfalt einen Wendepunkt. Ein konkreter Auftrag über 2.000 technisch anspruchsvolle Roboterteile forderte die bestehenden Prozesse heraus. Die Ansprüche an Toleranzen waren hoch, der Preisdruck seitens der Kunden massiv. Es wurde deutlich: Um bei Losgrößen zwischen Prototypen und Großserien wirtschaftlich zu bleiben, musste die Produktion unabhängiger von manuellen Eingriffen werden.
Der entscheidende Impuls für die heutige Automatisierung kam aus der Fertigung selbst: CNC-Fräser Marco Kaspar wurde über ein YouTube-Video auf HERMLE aufmerksam. Darin sah er eine automatisierte Zerspanung, die genau die Anforderungen von HEIM abdeckte: Das System kann ein breites Teilespektrum ohne menschliches Zutun abbilden. Manfred Ostarek erinnert sich: „Wir entschieden uns für HERMLE, weil uns die Anlage mit ihrer Flexibilität sofort beeindruckt hatte, und auch preislich überzeugte uns das Angebot.“
Den Ausschlag für die Kombination aus C 32 und RS 1 gaben vor allem zwei technische Eigenschaften: Zum einen deckt das System Bauteilgrößen zwischen 15 und 250 Millimeter ab und kann selbstständig zwischen diesen Formaten wechseln. Dadurch wird ein personenloser Betrieb über Schichtgrenzen hinweg möglich. Zum anderen verarbeitet die Anlage unterschiedliche Losgrößen wirtschaftlich – von Kleinserien bis hin zu Aufträgen mit mehreren tausend Bauteilen. Ein weiterer kritischer Faktor war die Werkzeugkapazität. Das Zusatzmagazin ZM 216 nimmt 216 Werkzeuge auf und ergänzt die 36 Plätze in der Maschine. HEIM gewinnt so deutlich an Flexibilität. Ein erneutes Einrichten der Anlage bei wechselnden Aufträgen entfällt, was die Rüstzeiten minimiert und die Effizienz steigert.
Der Weg zur autonomen Fertigung: Eine Lernkurve
Die Implementierung einer solchen High-End-Lösung verlief jedoch nicht ohne Reibung. Manfred Ostarek bezeichnet das erste halbe Jahr offen als „steinigen Weg“. „Wir haben sehr viel geflucht in dieser Zeit“, gibt er zu. Die Herausforderung lag weniger in der Hardware als im Umdenken: Programmierer und Bediener mussten lernen, Prozesse konsequent aus der Perspektive der Automation zu sehen.
In dieser Phase erwies sich der HERMLE-Service als Rückgrat des Projekts. „Egal, wann wir die Anwendungstechnik brauchten, spätestens nach einer Stunde konnten wir mit einem Techniker über unsere Fragen sprechen“, betont Manfred Ostarek. „Wenn dieser nicht weiterkam, war am nächsten Tag ein Monteur im Haus und kümmerte sich um den Fall“, beschreibt er die hervorragende Zusammenarbeit. Dank dieser schnellen Reaktionszeit gefährdeten Störungen nie die geplanten personenlosen Schichten.